WOCHENBETT

Deine Gesundheit nach der Geburt: Nachsorge und EPDS

Das Wochenbett, das Screening auf Wochenbettdepression und die Rückbildung des Beckenbodens.

HeyMom Redaktion 🫀 Neugeborenes 3 Min. Lesezeit
Deine Gesundheit nach der Geburt: Nachsorge und EPDS

Das Wochenbett umfasst die ersten 6 Wochen nach der Geburt und wird auch das „vierte Trimester“ genannt. Bei all der Aufmerksamkeit für das Baby gerät die Gesundheit der Mutter oft in den Hintergrund — dabei ist das körperlich und seelisch eine der kritischsten Phasen überhaupt.

Die Nachsorge: In Deutschland ist die ärztliche Nachuntersuchung 6-8 Wochen nach der Geburt vorgesehen; internationale Fachgesellschaften empfehlen zusätzlich einen frühen Kontakt in den ersten 3 Wochen. Deine Hebamme betreut dich in den ersten 12 Wochen zu Hause und ist damit die engmaschigste Begleitung. Bei diesen Terminen werden geprüft: Blutdruck (auf Präeklampsie), Menge des Wochenflusses, Heilung von Naht oder Narbe, die Brust, dein seelisches Befinden (EPDS), Verhütung, die Rückkehr zur Sexualität, Urinverlust und Schmerzen im Intimbereich.

Die Edinburgh-Postnatal-Depression-Skala (EPDS): ein validierter Fragebogen mit 10 Fragen. Ein Wert ab 13 spricht für ein hohes Risiko einer Wochenbettdepression. Sie betrifft 15-20 % der Mütter und ist etwas anderes als der Baby Blues (70-80 %) — der Baby Blues geht in 2 Wochen vorbei, eine Wochenbettdepression dauert länger und beeinträchtigt den Alltag.

Anzeichen einer Wochenbettdepression: dauerhafte Traurigkeit oder das Gefühl, wertlos zu sein, übermäßige Sorge um das Baby oder umgekehrt Gleichgültigkeit, Schlafprobleme (nicht schlafen können, obwohl das Baby schläft), Appetitverlust, Gedanken, dir oder dem Baby etwas anzutun (sofort Hilfe holen), Entscheidungsschwierigkeiten, Schuldgefühle. Das ist nicht die „normale Müdigkeit“ des Mutterseins, sondern eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Hast du Gedanken, dir oder deinem Baby etwas anzutun, rufst du sofort die 112 oder gehst in die nächste Notaufnahme.

Die Behandlung wirkt: Bei leichten bis mittleren Verläufen reicht oft eine Psychotherapie (KVT, interpersonelle Therapie). Bei mittleren bis schweren Verläufen können mit dem Stillen vereinbare Medikamente, die deine Ärztin auswählt, sicher und wirksam sein. In einigen Ländern gibt es seit 2023 außerdem neuere, schneller wirksame Medikamente speziell für diese Erkrankung; welche Option zu dir passt, besprichst du mit deiner Ärztin. Zu spät zu beginnen, schadet dir und der Bindung zu deinem Baby.

Rückbildung des Beckenbodens: Etwa 20-30 % der Frauen haben nach der Geburt eine Zeit lang ungewollten Urinverlust; meist bessert er sich mit der Zeit und den richtigen Übungen. Ein Kaiserschnitt schützt NICHT davor (schon die Schwangerschaft belastet den Beckenboden). Regelmäßige, technisch korrekte Beckenbodenübungen sind die Behandlung der ersten Wahl — der Rückbildungskurs, den deine Krankenkasse bezahlt, ist genau dafür da. Wenn die Beschwerden bleiben, kann dir deine Ärztin Beckenboden-Physiotherapie verordnen.

Der Wochenfluss (Lochien): in den ersten 3-4 Tagen dunkelrot (Lochia rubra), von Tag 4-10 bräunlich-rosa (serosa), von Tag 10-30 hell gelblich-weiß (alba). Blutung, die innerhalb einer Stunde eine Binde durchtränkt, oder Klumpen so groß wie eine Pflaume oder größer sind ein Notfall: Ruf sofort die 112 oder fahr in die Notaufnahme. Bei üblem Geruch, Fieber oder wieder stärker werdender Blutung gehst du noch am selben Tag zur Ärztin.

Ernährung und Bewegung: Stillen kostet etwa 500 Kalorien am Tag, ausreichend Trinken ist entscheidend. In den ersten 6 Wochen hebst du nichts über 5 kg; leichte Spaziergänge sind ab Woche 1-2 in Ordnung. Mit Bauchübungen (Plank, Sit-ups) fängst du frühestens nach 6 Wochen an — und erst, nachdem eine Rektusdiastase ausgeschlossen wurde.

Zurück zur Sexualität: Medizinisch ist nach 6 Wochen alles in Ordnung, aber sich bereit zu fühlen kann 3-12 Monate dauern, und das ist normal. Vaginale Trockenheit ist in der Stillzeit wegen des niedrigen Östrogenspiegels häufig — ein Gleitmittel auf Wasserbasis hilft. Offen mit deinem Partner zu sprechen und keinen Druck aufzubauen, macht es mit der Zeit leichter.

Liebe Mama, auch du brauchst Fürsorge. Der Druck, eine „Supermama“ zu sein, ist ein toxischer Mythos — um Hilfe zu bitten ist Stärke. Dein Partner, deine Familie, deine Freundinnen; und wenn es zu viel wird, gibt es Anlaufstellen wie Schatten und Licht e. V. oder die Telefonseelsorge (0800 1110111). Für dich zu sorgen ist nicht egoistisch, sondern die Grundlage dafür, für dein Baby da sein zu können.

Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wende dich bei allen Gesundheitsfragen an deine Ärztin oder deinen Arzt.

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