Sex nach der Geburt: Wann und wie?
Das Wochenbett, schwanger werden beim Stillen, Trockenheit und Schmerzen. Ehrliche und ermutigende Infos zur Nähe nach der Geburt.

Dein Baby liegt in deinen Armen, die schlaflosen Nächte haben begonnen, und Sex ist vielleicht das Letzte, woran du denkst. Oder im Gegenteil, du sehnst dich nach Nähe zu deinem Partner, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst. Beides ist ganz normal. Das Sexleben nach der Geburt kommt bei jeder Frau unterschiedlich schnell zurück, und für die meisten Paare wird es mit der Zeit wieder schön.
Wann ist es wieder möglich? Laut NHS gibt es keine feste Regel, wann du nach der Geburt wieder Sex haben kannst. Wichtig ist, dass du dich körperlich und emotional bereit fühlst. Die allgemeinen ärztlichen Empfehlungen lauten:
- In den ersten Wochen, solange der Wochenfluss anhält, sollte wegen des Infektionsrisikos nichts in die Scheide eingeführt werden.
- Nach einem genähten Riss oder Dammschnitt wird meist etwa 6 Wochen gewartet.
- Nach einem Kaiserschnitt empfehlen die meisten Ärztinnen mindestens 6 Wochen.
Das entspricht ungefähr dem traditionellen Wochenbett von etwa 6 Wochen, aber der eigentliche Maßstab ist deine Heilung, nicht der Kalender. Am besten fragst du bei der Nachuntersuchung deine Ärztin oder Hebamme, wie weit du geheilt bist.
Kann ich beim Stillen schwanger werden? Ja, das kannst du. Der NHS betont, dass eine Schwangerschaft schon 3 Wochen nach der Geburt möglich ist, auch wenn du stillst und deine Periode noch nicht zurück ist. Denn der Eisprung kommt vor der ersten Periode. Damit Stillen schützt (Laktationsamenorrhoe), müssen alle diese Bedingungen erfüllt sein:
- Dein Baby bekommt ausschließlich Muttermilch und trinkt häufig
- Tagsüber liegen nicht mehr als 4 Stunden, nachts nicht mehr als 6 Stunden zwischen den Mahlzeiten
- Dein Baby ist jünger als 6 Monate
- Deine Periode ist noch nicht zurück
Fällt auch nur eine Bedingung weg, schützt diese Methode nicht.
Sprecht vorher über Verhütung. Ein Kondom geht immer. Kombinierte Pille, Pflaster und Ring kommen meist ab der 3. Woche infrage, wenn du nicht stillst, und meist ab der 6. Woche, wenn du stillst. Sprich auch über Möglichkeiten wie Spirale und Implantat mit deiner Ärztin. Der NHS empfiehlt, mit der nächsten Schwangerschaft mindestens 12 Monate nach der Geburt zu warten.
Trockenheit und Empfindlichkeit: Stillen senkt den Östrogenspiegel. Dadurch kann das Gewebe der Scheide dünner und trockener werden. Das ist kein Problem, sondern ein vorübergehender hormoneller Zustand. Ein Gleitmittel auf Wasserbasis hilft sehr. Wenn du weniger stillst oder deine Periode zurückkehrt, bessert sich die Trockenheit meist.
Wenn es beim ersten Mal wehtut: Du bist nicht allein. In einer Studie mit 1.507 Erstgebärenden hatten 85,7 Prozent der Frauen beim ersten Verkehr Schmerzen. Der Anteil der Frauen mit Schmerzen sank von 44,7 Prozent im 3. Monat auf 22,6 Prozent im 18. Monat. Langsam vorgehen, viel Zeit für Zärtlichkeit davor und Gleitmittel helfen. Wenn die Schmerzen nach einigen Versuchen anhalten, sag es deiner Ärztin. Es gibt Behandlungen, und du musst das nicht aushalten.
Wenn deine Lust nachgelassen hat: Müdigkeit, Hormone, Stillen und die Konzentration auf das Baby dämpfen die Lust. In einer Studie von 2015 hatten etwa zwei Drittel der Frauen im ersten Jahr eine sexuelle Schwierigkeit. Am häufigsten war wenig Lust. Die Lust kommt meist mit der Zeit zurück. In einer älteren britischen Studie hatten nur 15 Prozent der Frauen mit sexuellen Problemen nach der Geburt mit einer Fachkraft darüber gesprochen. Schäm dich nicht, frag nach.
Beckenbodentraining: Laut NHS beugt dieses Training nicht nur Blasenschwäche vor, sondern verbessert auch das Sexleben. Das Ziel: 10 lange Anspannungen, die du bis zu 10 Sekunden hältst, und 10 schnelle Anspannungen, mindestens 3-mal am Tag. Eine Analyse von 12 Studien zeigte außerdem, dass diese Übungen die sexuelle Funktion nach der Geburt verbessern.
Kleine Wege zurück zueinander: Ein gemeinsamer Tee, während das Baby schläft, ein Spaziergang Hand in Hand, eine kurze Massage. Der Weg zurück zur Intimität muss nicht mit Geschlechtsverkehr beginnen. Einander zu erzählen, was ihr fühlt, kann in dieser Zeit das stärkste Aphrodisiakum sein. Wenn du dich dauerhaft unglücklich, hoffnungslos oder von deinem Baby losgelöst fühlst, kann das ein Zeichen einer Wochenbettdepression sein. Wende dich dann unbedingt an deine Ärztin.
Liebe Mama, dein Körper hat Großes geleistet. Lass dir Zeit und sei liebevoll mit dir und deinem Partner. Die Nähe kommt in ihrem eigenen Rhythmus zurück, wenn ihr bereit seid.
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