FOLSÄURE

Folsäure und Vitamine vor der Schwangerschaft

Welches Präparat, ab wann, und gibt es ein Zuviel? Der evidenzbasierte Plan für die Zeit davor.

HeyMom Redaktion 🍎 Kinderwunsch 3 Min. Lesezeit
Folsäure und Vitamine vor der Schwangerschaft

Folsäure (Vitamin B9) ist das wichtigste Präparat, mit dem du vor der Schwangerschaft beginnst: mindestens 1 Monat, idealerweise 3 Monate vorher. Der Grund: Das Neuralrohr (aus dem Gehirn und Rückenmark entstehen) schließt sich in der 3.-4. Schwangerschaftswoche — die meisten Frauen wissen zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Schwangerschaft. Rechtzeitig begonnen, senkt Folsäure das Risiko für Neuralrohrdefekte um 50-70 %.

Die Dosierung:

  • Normales Risiko: 400-800 µg am Tag (mindestens 1 Monat vorher beginnen, bis zur 12. Woche weiternehmen)
  • Frühere Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt: 4 mg am Tag (verschreibungspflichtig)
  • Diabetes, Epilepsie (Antiepileptika), Adipositas (BMI über 30): 1-5 mg am Tag nach ärztlicher Empfehlung
  • MTHFR-Genvariante: Für die meisten reicht normale Folsäure; eine andere Form wird nur empfohlen, wenn deine Ärztin einen besonderen Grund sieht (siehe unten)
  • Zwillinge oder Drillinge: 1 mg am Tag

Folsäure und Folat (aus Lebensmitteln):

  • Folsäure: die synthetische Form aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln. Der Körper wandelt sie in der Leber in die aktive Form um.
  • Folat: aus grünem Blattgemüse, Brokkoli, Linsen, Kichererbsen, Avocado und Zitrusfrüchten. Die natürliche Form, aber unterschiedlich gut verwertbar.
  • Die MTHFR-Genvariante ist in der Bevölkerung häufig, doch nach aktuellen Leitlinien können auch diese Menschen Folsäure verarbeiten; für den Schutz vor Neuralrohrdefekten ist Folsäure die belegte Form. Ein routinemäßiger MTHFR-Test wird nicht empfohlen; Methylfolat nimmst du nur, wenn deine Ärztin einen besonderen Grund dafür sieht.

Was in ein gutes Präparat für die Zeit davor gehört (3 Monate vorher beginnen):

  • Folsäure oder Methylfolat 400-800 µg
  • Vitamin D 1000-2000 IE
  • Vitamin B12 2,4 µg bis 1000 µg
  • Eisen — nur bei niedrigem Ferritin oder auf ärztliche Empfehlung (siehe unten)
  • Jod 150-220 µg
  • Kalzium 1000 mg (auch über die Ernährung möglich)
  • Zink 11-15 mg
  • Omega-3 (DHA) 200-300 mg — für die Gehirnentwicklung
  • Cholin 450 mg — für die Gehirnentwicklung (fehlt in vielen Präparaten)

Präparate, die du meiden solltest:

  • Hoch dosiertes Vitamin A (über 10.000 IE): fruchtschädigend, Risiko für Fehlbildungen. Als Beta-Carotin ist es unbedenklich.
  • Hoch dosiertes Vitamin E (über 400 IE): die Risiken sind ungeklärt
  • Pflanzliche Mischpräparate: „vor der Schwangerschaft“ auf dem Etikett heißt nicht automatisch sicher — Traubensilberkerze, Dong Quai und Ginseng sind zu meiden
  • Sehr hohe B6-Dosen (über 100 mg): Risiko für Nervenschäden
  • Detox- und Abnehmpräparate: 3 Monate vorher absetzen

Zum Thema Eisen: Eisen wird nicht vorbeugend für alle empfohlen. Liegt das Ferritin unter 30 ng/ml, ist ein Präparat sinnvoll. Es kann Übelkeit und Verstopfung verursachen — nimm es zum Essen und zusammen mit Vitamin C (das verbessert die Aufnahme) und meide dazu Tee und Kaffee (die hemmen sie). Eisen und Kalzium gehören nicht zur selben Mahlzeit, sie konkurrieren.

Jod: Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Jodiertes Speisesalz hilft, reicht aber oft nicht aus. Milchprodukte und Meeresfisch sind gute Quellen. Ein Mangel wirkt sich auf die Gehirnentwicklung des Kindes aus. Achte darauf, dass dein Präparat 150 µg Jod enthält.

Vitamin D prüfen lassen: Ein Mangel ist in Deutschland weit verbreitet, vor allem im Winterhalbjahr und bei wenig Aufenthalt im Freien. Lass den 25-OH-D-Wert bestimmen: unter 20 ng/ml gilt als Mangel, 20-30 als unzureichend. Du brauchst dann vielleicht 1000-4000 IE am Tag, Ziel ist über 30 ng/ml. Ein Mangel erhöht das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und Präeklampsie.

Auch für deinen Partner: Coenzym Q10 200-400 mg, Zink 25-50 mg, Selen 100 µg, Vitamin C und E, Folsäure 400 µg (für die Unversehrtheit der Spermien-DNA) und Omega-3. Er sollte 3 Monate vorher beginnen — ein Spermienzyklus dauert 72-90 Tage.

Welches Produkt? Ein Schwangerschaftspräparat aus der Apotheke reicht völlig (zum Beispiel Femibion, Elevit oder Orthomol Natal). Viral beworbene „rein natürliche“ Produkte sind meist unzureichend dosiert. Nebenwirkung: Übelkeit ist häufig — nimm es zum Essen, teile die Dosis auf oder nimm es abends. Wenn du keine Tabletten schlucken kannst, gibt es Gummidrops, die enthalten aber kein Eisen und kein Kalzium.

Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wende dich bei allen Gesundheitsfragen an deine Ärztin oder deinen Arzt.

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