PFLEGE

Dreimonatskoliken und Blähungen: die 5S-Methode

Schreiphasen, Techniken zum Bäuerchen und wann du die Kinderärztin fragst.

HeyMom Redaktion 👶 Neugeborenes 3 Min. Lesezeit
Dreimonatskoliken und Blähungen: die 5S-Methode

Von einer Säuglingskolik spricht man, wenn ein gesundes Baby mehr als 3 Stunden am Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche und über mehr als 3 Wochen schreit (Wessel-Regel). Typischerweise beginnt das in Woche 2-3, erreicht mit 6 Wochen den Höhepunkt und lässt mit 3-4 Monaten nach. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt; ein noch unreifer Darm, Blähungen, eine Reaktion auf die Nahrung, Reizüberflutung oder die Reifung des Nervensystems werden diskutiert.

Die 5S-Methode von Dr. Harvey Karp ist die meistgenutzte Technik zum Beruhigen: Swaddling (Pucken), Side/Stomach position (Seiten- oder Bauchlage auf deinem Arm — NICHT zum Schlafen, nur zum Beruhigen), Shushing (ein „Schhh“ nah am Ohr), Swinging (rhythmisches, kleines Wiegen) und Sucking (Saugen — Brust oder sauberer Finger). Zusammen angewendet, ahmen diese fünf Elemente die Umgebung im Bauch nach.

Sicherheit beim Pucken (sehr wichtig): Gepuckt wird nur, wenn dein Baby auf dem Rücken liegt, niemals auf dem Bauch. Sobald dein Baby Anzeichen zeigt, sich zu drehen (meist im 2.-3. Monat), musst du das Pucken sofort beenden — bei einem Baby, das sich drehen kann, erhöht das Pucken das Risiko, mit dem Gesicht nach unten liegen zu bleiben und keine Luft zu bekommen (plötzlicher Kindstod). Die Wickeltechnik muss an der Hüfte locker sein und Hüfte und Beine frei beweglich lassen.

Bäuerchen und Blähungen: Der Klassiker ist, dein Baby nach dem Trinken aufrecht an deine Schulter zu legen und den Rücken sanft von unten nach oben zu streichen. Alternative: aufrecht auf deinem Schoß sitzend, das Kinn gestützt, den Rücken reiben. Die Fahrradbewegung (auf dem Rücken liegend die Beine sanft Richtung Bauch führen) bringt den Darm in Schwung. Die Bauchmassage machst du im Uhrzeigersinn, mit den Fingerkuppen und sanftem Druck.

Worauf du beim Füttern achtest: Wenn du stillst: Dass es bei Koliken hilft, ganze Lebensmittelgruppen wegzulassen, ist kaum belegt, und es kann deine eigene Ernährung erschweren. Besteht der Verdacht auf eine Kuhmilcheiweißallergie (Blut oder Schleim im Stuhl, Ausschlag, Erbrechen, schlechte Gewichtszunahme), wird der Verzicht auf Milchprodukte nur auf Empfehlung der Kinderärztin und für eine festgelegte Zeit ausprobiert. Bei Flaschennahrung sollte der Sauger langsam fließen und die Flasche aufrecht gehalten werden. Das verhindert hastiges Schlucken und Luftschlucken. Anti-Kolik-Flaschen mit Belüftung können helfen.

Zum Thema Probiotika: Für den Stamm L. reuteri DSM 17938 zeigten einzelne Studien bei gestillten Babys mit Koliken eine kürzere tägliche Schreidauer. Bei Flaschenkindern ist die Datenlage weniger klar. Fang nicht ohne Rücksprache mit deiner Kinderärztin an, die Dosierung zählt.

Wann zur Kinderärztin: Wenn zum Schreien Fieber, Erbrechen (besonders grünliches), blutiger Stuhl, ausbleibende Gewichtszunahme, Trinkverweigerung, auffällige Schläfrigkeit oder Schlaffheit kommen, gehst du sofort hin. Die Kolik ist eine Ausschlussdiagnose — sie darf erst benannt werden, wenn anderes ausgeschlossen ist.

Und für dich: Eine Kolikphase zehrt an den Kräften der ganzen Familie. Sich angesichts eines schreienden Babys hilflos zu fühlen, ist normal. Dein Baby an einem sicheren Ort abzulegen und 5-10 Minuten Pause zu machen, ist manchmal die beste Entscheidung. Schüttle dein Baby niemals (Schütteltrauma). Hol dir Unterstützung bei deinem Partner, der Familie oder Freundinnen — und wenn es zu viel wird, gibt es Schreiambulanzen. Diese Zeit geht vorbei, mit 3-4 Monaten wird es deutlich ruhiger.

Dieser Inhalt dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wende dich bei allen Gesundheitsfragen an deine Ärztin oder deinen Arzt.

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