Der AMH-Wert: was die Eizellreserve aussagt
Wie das Anti-Müller-Hormon die Eizellreserve zeigt, wie du das Ergebnis liest und was altersgerecht ist.

Das AMH (Anti-Müller-Hormon) wird von den kleinen Follikeln in den Eierstöcken gebildet. Es ist einer der besten Marker für die Eizellreserve — also für den verbliebenen Vorrat. Es zeigt die MENGE, nicht die QUALITÄT der Eizellen — dieser Unterschied ist wichtig.
Wann der Wert bestimmt wird:
- zu Beginn einer Kinderwunsch-Abklärung
- bei einem Kinderwunsch ab 35
- zur Einschätzung eines PCOS (ein hoher AMH-Wert spricht dafür)
- vor dem Einfrieren von Eizellen
- zur Planung einer IVF (für die Dosierung der Medikamente)
- bei Verdacht auf vorzeitige Wechseljahre
- vor einer Chemo- oder Strahlentherapie
- vor und nach Operationen an den Eierstöcken
Zum Test: Er ist an jedem Zyklustag möglich (anders als FSH nicht an bestimmte Tage gebunden — ein großer Vorteil). Du musst nicht nüchtern sein. Eine Blutabnahme reicht, das Ergebnis kommt in 1-3 Tagen. Hormonelle Verhütung (Pille, Hormonspirale) kann den Wert vorübergehend um 20-30 % senken — falls nötig, 1-2 Monate pausieren und wiederholen.
Übliche Werte nach Alter (ng/ml):
- 25-30 Jahre: 2,0-6,8
- 30-35 Jahre: 1,5-5,0
- 35-40 Jahre: 1,0-3,5
- 40-45 Jahre: 0,5-2,5
- ab 45 Jahren: unter 1,0
Hinweis: Die Spannen unterscheiden sich von Labor zu Labor — orientiere dich an den Referenzwerten deines Labors.
Das Ergebnis lesen:
- Hoher AMH-Wert (über 4,0): meist eine gute Reserve, kann aber auf ein PCOS hindeuten (immer zusammen mit dem klinischen Bild beurteilen). Bei einer IVF besteht das Risiko einer Überstimulation (OHSS).
- Im Normbereich: altersgerecht — die Chancen sind normal.
- Niedriger AMH-Wert (unter 1,0): verminderte Eizellreserve. Die Chance, natürlich schwanger zu werden, ist geringer, bei einer IVF ist eine schwächere Antwort zu erwarten.
- Sehr niedrig (unter 0,4): Verdacht auf eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstöcke (POI); die Diagnose wird aber nie allein über das AMH gestellt — dazu gehören die Zyklusgeschichte und zwei getrennte Messungen eines erhöhten FSH, beurteilt von deiner Ärztin.
Das AMH sagt NICHT direkt, ob du schwanger wirst: Es gibt viele Frauen, die mit einem niedrigen Wert schwanger geworden sind, und viele mit hohem Wert, bei denen es lange dauert. Das AMH hilft bei der Frage „Wie viel Zeit habe ich?“ — nicht bei der Frage „Werde ich jetzt schwanger?“.
Womit es zusammen beurteilt wird (vollständige Einschätzung der Reserve):
- AMH (der Eizellvorrat)
- FSH und Östradiol (am 2.-5. Zyklustag)
- Zahl der antralen Follikel (AFC) — im Ultraschall die Follikel von 2-9 mm je Eierstock zählen
Alle drei zusammen sind deutlich aussagekräftiger.
Was den AMH-Wert beeinflusst:
- Rauchen → senkt ihn (die Eierstöcke altern schneller)
- Endometriose → kann ihn senken, Operationen (besonders an einem Endometriom) verringern ihn
- Genetik (BRCA1/2-Mutation) — der Wert fällt schneller
- Chemo- oder Strahlentherapie → schädigt die Eierstöcke
- starker Stress, zu wenig Schlaf — kleine, vorübergehende Effekte
Hinweis: Es gibt keinen belegten Weg, das AMH zu „erhöhen“. Ein DHEA-Präparat kann in ausgewählten Fällen helfen (nur nach ärztlicher Rücksprache).
Was du damit machst: Dein AMH-Wert ist kein Zeugnis, sondern ein Planungsinstrument. Ein niedriger Wert kann bei einer jungen Frau die Entscheidung fürs Einfrieren von Eizellen beschleunigen. Ein hoher Wert darf nicht zu dem Trugschluss verleiten, alle Zeit der Welt zu haben — das Alter bleibt der wichtigste Faktor. Besprich das Ergebnis in einem Kinderwunschzentrum und mach daraus einen Plan, der zu deinem Alter und deinem Ziel passt.
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