Künstliche Befruchtung (IVF) und Insemination (IUI): der Ablauf Schritt für Schritt
Wann du Hilfe suchen solltest, für wen eine Insemination infrage kommt, die Schritte der IVF, Erfolgsraten, Risiken und Kostenübernahme.

Schwanger zu werden, dauert manchmal länger als erwartet, und das ist sehr häufig. Kinderwunschbehandlungen ermöglichen heute Millionen Familien ein Kind. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie eine Insemination (IUI) und eine künstliche Befruchtung (IVF) ablaufen. Die Informationen stützen sich auf den NHS, die britische Aufsichtsbehörde für Reproduktionsmedizin HFEA, NICE und den Amerikanischen Verband der Frauenärzte (ACOG). Der Behandlungsplan ist für jedes Paar anders; das letzte Wort hat immer deine Ärztin.
Wann solltest du Hilfe suchen?
- Der NHS empfiehlt, zur Ärztin zu gehen, wenn es trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres nicht zu einer Schwangerschaft kommt.
- ACOG und die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM) empfehlen, dass du dich ab 35 nach 6 Monaten ohne Schwangerschaft ärztlich vorstellst und dass ab 40 noch früher untersucht wird. Auch der NHS rät Frauen ab 36, sich früher zu melden.
- Ist deine Regel sehr unregelmäßig oder gibt es eine bekannte Endometriose, ein Eileiterproblem, PCOS oder ein bekanntes Spermienproblem bei deinem Partner, warte nicht, sondern lass dich gleich beraten.
- Im ersten Schritt stehen meist Hormontests, Ultraschall, eine Röntgenuntersuchung zur Durchgängigkeit der Eileiter und ein Spermiogramm deines Partners an.
Was ist eine Insemination (IUI)? Dabei werden zum Zeitpunkt des Eisprungs Spermien, die im Labor gewaschen und aufbereitet wurden, mit einem dünnen Katheter direkt in die Gebärmutter gegeben. Der Eingriff ist schmerzlos und kurz; laut NHS dauert er meist weniger als 10 Minuten.
Die Schritte:
- Kontrolle, ob die Eileiter durchgängig sind
- bei Bedarf Medikamente, die die Eizellreifung unterstützen
- Kontrolle per Ultraschall
- Auslösespritze, die den Eisprung auslöst
- Übertragung der Spermien in die Gebärmutter
- etwa 2 Wochen später ein Schwangerschaftstest
Für wen kommt eine Insemination infrage? Sie kann bei Paaren versucht werden, bei denen die Eileiter durchgängig sind, die Spermienwerte nicht sehr niedrig sind und sich eine Eisprungstörung behandeln lässt. Bei verschlossenen Eileitern, schwerer Endometriose oder sehr niedrigen Spermienwerten ist der Nutzen begrenzt. Die Erfolgschance ist geringer als bei einer IVF; laut HFEA liegt sie meist bei etwa einem Drittel. Die britische NICE-Leitlinie bietet in ihrer Aktualisierung von 2026 Paaren mit seit 2 Jahren ungeklärter Unfruchtbarkeit vor einer IVF bis zu 4 medikamentös unterstützte Inseminationen oder direkt eine IVF als Option an. Je nach Land und Krankenkasse kann eine Kostenübernahme voraussetzen, dass andere Behandlungen zuvor erfolglos waren; deshalb werden vor einer IVF oft zuerst Methoden wie die Insemination versucht. Welcher Weg für dich richtig ist, entscheidet deine Ärztin.
IVF Schritt für Schritt: Laut NHS und HFEA dauert ein IVF-Zyklus je nach Protokoll etwa 3-6 Wochen.
- 1. Stimulation der Eierstöcke: Etwa 10-14 Tage lang bekommst du täglich Hormonspritzen. Meist kannst du sie dir zu Hause selbst geben.
- 2. Kontrolle: Mit Bluttests und Ultraschall wird das Wachstum der Eibläschen (Follikel) verfolgt.
- 3. Auslösespritze: Wenn die Follikel groß genug sind, folgt die letzte Spritze, die die Eizellen reifen lässt.
- 4. Eizellentnahme: Etwa 1,5 Tage später werden die Eizellen in kurzer Sedierung oder Narkose ultraschallgesteuert mit einer Nadel durch die Scheide entnommen. Der Eingriff dauert etwa 20-30 Minuten.
- 5. Befruchtung: Im Labor werden die Eizellen mit den Spermien deines Partners zusammengebracht. Bei einem Spermienproblem wird in jede Eizelle ein einzelnes Spermium injiziert (Mikroinjektion, ICSI).
- 6. Embryonalentwicklung: Die Embryonen werden 2-6 Tage im Labor beobachtet.
- 7. Embryotransfer: Der beste Embryo wird mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter eingesetzt. Das ist meist schmerzlos und braucht keine Narkose.
- 8. Unterstützende Behandlung: Hormonpräparate (Zäpfchen, Gel oder Spritze) stützen die Gebärmutterschleimhaut.
- 9. Schwangerschaftstest: Laut NHS etwa 16 Tage nach dem Transfer. Deine Klinik nennt dir den genauen Tag; ein zu früher Test kann ein falsches Ergebnis zeigen.
- 10. Einfrieren: Übrige Embryonen guter Qualität können eingefroren und bei späteren Versuchen verwendet werden.
Wie viele Embryonen werden übertragen? Die Zahl ist in vielen Ländern durch Gesetze oder Leitlinien begrenzt und hängt unter anderem vom Alter der Frau und von der Zahl der bisherigen Versuche ab. Ziel ist, die Risiken von Zwillings- und Drillingsschwangerschaften zu verringern. Der Transfer eines einzelnen Embryos ist für die Gesundheit von Baby und Mutter sicherer.
Erfolgsraten: Der wichtigste Einflussfaktor ist das Alter der Frau. Nach den HFEA-Daten von 2024 liegt die Geburtenrate pro übertragenem Embryo bei frischen und gefrorenen Transfers mit eigenen Eizellen:
- mit 18-34 Jahren bei etwa 38 %
- mit 43-44 Jahren bei etwa 8 %
- im Durchschnitt aller Altersgruppen bei etwa 30 %
Diese Zahlen unterscheiden sich von Klinik zu Klinik und von Person zu Person. Wenn es beim ersten Versuch nicht klappt, heißt das nicht, dass ihr gescheitert seid; viele Paare kommen nach mehreren Versuchen ans Ziel.
Risiken und worauf du achten solltest:
- Überstimulationssyndrom (OHSS): Reagieren die Eierstöcke zu stark auf die Medikamente, kann es zu Blähungen und Bauchschmerzen kommen. Bei Atemnot, Brustschmerzen, starken Bauchschmerzen oder wenn du deutlich weniger Urin ausscheidest, wende dich sofort an deine Ärztin oder die Notaufnahme.
- Mehrlingsschwangerschaft: Werden mehrere Embryonen übertragen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge. Bei Mehrlingen ist das Risiko für Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht höher.
- Eileiterschwangerschaft: Selten, aber möglich.
- Seelische Belastung: Spritzen, Wartezeiten und Ungewissheit können zermürben. Mit deinem Partner, Menschen, die dir nahestehen, oder einer Psychologin zu sprechen, ist ein wichtiger Teil dieses Weges.
Rechtlicher Rahmen: Wer behandelt werden darf, ob gespendete Eizellen oder Samenzellen verwendet werden dürfen, unter welchen Bedingungen übrige Embryonen eingefroren werden und wie lange sie gelagert werden dürfen, regelt jedes Land anders. Lass dich von deinem Kinderwunschzentrum zu den Regeln beraten, die für dich gelten.
Kosten und Kostenübernahme: Ob und in welchem Umfang die Kosten einer Kinderwunschbehandlung übernommen werden, etwa abhängig von Alter, Familienstand, Zahl der Versuche und Eigenanteil, ist je nach Land und Krankenkasse unterschiedlich; informiere dich. Da sich die Bedingungen ändern können, klär vor Beginn der Behandlung den aktuellen Stand bei deiner Krankenkasse und im Behandlungszentrum.
Pass während der Behandlung gut auf dich auf: Ernähre dich ausgewogen, verzichte auf Rauchen und Alkohol und nimm die Folsäure, die deine Ärztin empfiehlt. Ein gesundes Gewicht unterstützt die Erfolgschancen. Achte bei der Wahl der Klinik auf ihre Erfahrung, darauf, wie offen sie ihre Erfolgsraten teilt und wie viel Zeit sie sich für deine Fragen nimmt.
Liebe Frau, dieser Weg braucht Geduld und Mut. Bei jedem Schritt nachzufragen, ihn zu verstehen und bei Bedarf eine Pause einzulegen, ist dein gutes Recht. Du und dein Partner seid auf diesem Weg nicht allein; sich Unterstützung zu holen, ist keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge.
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